„Digitalisierung – nicht nur eine Frage der Technik“

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Drei Fragen an Susanne Obert, Leiterin Demografiemanagement bei der ZF Friedrichshafen AG und ddn-Vorstandsmitglied

Marketing, Personalentwicklung mit Fokus auf eLearning, Demografiemanagement: Susanne Oberts beruflicher Werdegang zeigt viele Schnittmengen zwischen Mensch und Technologie. Gerade deshalb interessiert uns Ihr Blickwinkel auf das Phänomen der Digitalisierung!

 

1. Drei Perspektiven: Demographischer Wandel, Digitalisierung und Diversity. Welcher der drei Begriffe ist bei Ihnen gerade am stärksten Thema?

Die Digitalisierung. Sowohl im Hinblick auf unsere Produkte als auch was das tägliche Business und die internen Arbeitsabläufe angeht. Die digitale Transformation und die Änderungen, die damit einhergehen, betreffen uns alle – jede Position und jede Generation innerhalb des Arbeitssystems. Lange schon beantworten wir Mails nicht mehr nur am Rechner, sondern erledigen dies schnell per Handy oder Tablet – und am besten über eine App. Dieses – nennen wir es mal – private Nutzverhalten ist auch auf das Arbeitsleben übergeschwappt: Firmenmails werden auch über das Smartphone abgerufen und die Qualitätssicherung in der Fertigung geschieht mit einem Klick! Doch Digitalisierung ist noch mehr. Denn sie verändert nicht nur die Technik, sondern genauso wandeln sich Arbeitsprozesse sowie Verantwortlichkeiten. Deshalb sind Herausforderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt, mit Maßnahmen des Change Managements zu bewältigen. Aus diesem Grund haben wir aktive Change Teams gebildet. Sie begleiten unsere Mitarbeiter bei der Einführung in Arbeitsprozesse, die sich aufgrund der Digitalisierung geändert haben. Dabei geht gar nicht um die technische Umsetzung. Vielmehr helfen uns die Change Teams, Prozesskonzepte umzusetzen und neue Formen des Arbeitens auszutesten.

 

2. Was erhoffen Sie sich vom ddn-Aktionstag am 14.09.?

Als Leiterin des Demografiemanagements bei der ZF Friedrichshafen AG freut es mich ganz besonders, dass ich der Robert Bosch GmbH in Blaichach den diesjährigen Sonderpreis „Demographiebewusstes Personalmanagement“ überreichen darf. Aber auch auf die neuen Ideen und Inspirationen, die während des Aktionstages vorgestellt werden, bin ich sehr gespannt.   Insbesondere im Hinblick auf die KMU, die regional aufgestellt sind. Denn die Region ist zwar gut vernetzt, aber durch einen gewissen Pragmatismus determiniert. Arbeitsabläufe werden einfach umgesetzt und die Digitalisierung hat die Strukturen der Unternehmen noch nicht oder nur ansatzweise durchdrungen. Wegweisende Impulse – gerade was die Personalarbeit und die Standortsicherung angeht – sind daher beim Aktionstag herzlich willkommen!

 

3. Ist Digital Leadership bei Ihnen schon ein Thema? Wenn ja, wie sehr? Und wo sehen Sie den Unterschied zum „klassischen Führungsstil"?

Wenn wir auch den Begriff „Digital Leadership“ im täglichen Einsatz nicht gebrauchen, so setzen wir es doch längst schon um! Was genau darunter überhaupt verstanden wird, variiert und verändert sich auch ständig. Schon das erschwert die Trennung der verschiedenen Konzepte. Digital Leadership existiert in der Praxis nicht in Reinform. Vielmehr umfasst das Konzept Instrumente, die situativ Anwendung finden. Insofern gibt es das eine Konzept „Digital Leadership“ nicht. Wann ein Führungsstil also digital ist und wann noch nicht, kann man nur schwer trennen. Wenn der Chef etwa nicht vor Ort präsent, sondern nur digital erreichbar ist, greift die Digitalisierung automatisch. Digitales Führen ist dann gleichbedeutend mit analogem. Viele angewandte digitale Methoden werden auch gar nicht unter dem Konzept Digital Leadership geführt. Wir bei ZF Friedrichshafen AG arbeiten agil. Das heißt: Agiles Projektmanagement, hybride Führungsmethoden kommen zum Einsatz.  Das erfordert kurze Wege und schnelle Entscheidungen, die Umsetzung läuft bereits - parallel. Ohne flache Hierarchien und innovative Lösungen die dieses Tempo ermöglichen, leiden Ablauf und schließlich auch Entwicklung. So leben und gestalten wir Digital Leadership.

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