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Bei den Älteren geht noch viel mehr

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Frank Zils über den demografischen Wandel

Deutsche Unternehmen verweigern die Realität. Der demografische Wandel ist im vollen Gange, die Belegschaften in Unternehmen altern rapide, Facharbeiter fehlen in allen Bereichen. Und doch gilt der Arbeitnehmer 50plus den meisten Chefs und Personalverantwortlichen nur als Auslaufmodell. Zu langsam, nicht lernwillig, krankheitsanfällig lauten die gängigen Vorurteile. Mit fatalen Folgen: Fortbildungen für Ältere gelten als Ausgabenverschwendung. Mitarbeiterprogramme – etwa im Gesundheitsbereich – sind nur noch defizitorientiert ausgelegt (Rückenschule). Ältere Mitarbeiter werden systemisch demotiviert, um bald selbst an ihre scheinbare Minderleistung zu glauben.

Das Demografie Netzwerk (ddn), ein Zusammenschluss von rund 300 Unternehmen und Institutionen mit einer Personalverantwortung für mehr als zwei Millionen Beschäftigte, beschäftigt sich damit, wie sehr Unternehmen das Potenzial gerade ihrer älteren Mitarbeiter missachten, man sollte besser sagen: verschleudern. Ausgerechnet diejenigen, die über die meiste Erfahrung, die längsten Kundenkontakte, den größten Weitblick verfügen, werden an den Rand des Geschehens verschoben. Dabei zeigen alle Untersuchungen, dass ältere Arbeitnehmer krankheitsanfälliger sind, aber unverändert lernfähig und sozial sensibler und strategisch weitsichtiger als Jüngere. Unternehmen müssen endlich umdenken. Wir benötigen ein systematisches und strategisches intergeneratives Management.

Angesichts des Mangels an jugendlichem Nachwuchs und der zunehmenden Komplexität einer digitalen Arbeit 4.0 soll Erfahrung im Unternehmen gehalten und gefördert werden. Die Mittel dafür sind längst bekannt, auch kleinere Betriebe können sie anwenden: eine Zusammenarbeit von Jung und Alt, in der alle Altersgruppen ihre Stärken ausspielen können, ein laufender Wissenstransfer, eine abgestimmte Weiterbildung, ein wertschätzendes Arbeitsklima. Dazu müssen sich neue Arbeitsformen etablieren. Der Arbeitnehmer der Zukunft wird nicht mehr in starren Zeitrhythmen malochen, sondern flexibel zwischen beruflichen und privaten Phasen hin und her wechseln – altersangepasst: Jüngere Kollegen gehen in Elternzeit, Ältere erhalten Raum für die Pflege ihrer Angehörigen. Das macht Arbeitgeber attraktiv.

Junge fragen heute, wie es im Alter mit ihnen gehalten wird. Eine Chance für solche Unternehmen, die im Schatten der Großkonzerne Probleme haben, Nachwuchs zu finden. Wer Potenzial heben will, muss nicht jenseits der Werktore Ausschau halten. Bei der eigenen Belegschaft geht viel – vor allem bei Älteren.

 

Über den Autor:

Frank Zils ist Personalleiter für Deutschland und Österreich bei Johnson & Johnson, sowie Vorstandsmitglied des Demografie Netzwerks (ddn). Der 50-Jährige studierte in Trier und Tübingen Theologie und Philosophie

Artikel erschienen: Weser Kurier, 03.08.2017
http://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-bei-den-Aelteren-geht-noch-viel-mehr-_arid,1632157.html

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