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Der ddn-Aktionstag in Hamburg

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Der ddn-Aktionstag in Hamburg

hamburg-aktionstag-foto-1Was erwartet uns in der Arbeitswelt der Zukunft? Der ddn- Aktionstag "Arbeitswelt 4.0" griff am 20.10.2016 mit bundesweiten Veranstaltungen den fortschreitenden Prozess der Digitalisierung und die daraus resultierenden Veränderungen für Unternehmen und Mitarbeiter/-innen auf. In Hamburg berichteten Steffen Müller, HPA Hamburg Port Authority AöR und Viola Kerssenfischer, ThoughtWorks Deutschland GmbH, vor mehr als 60 Personalverantwortlichen und weiteren Gästen in der KWB e. V. über Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zu Arbeiten 4.0.

Der Sog der Digitalisierung erfasst annähernd jedes Unternehmen – mit weitreichenden Folgen. Denn betroffen sind nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die die Arbeitsformen und Arbeitsverhältnisse. Unter dem Schlagwort „Arbeiten 4,0“ verbirgt sich ein grundlegender Wandel der sowohl die Unternehmens- und Personalführung als auch die Anforderungen an die Beschäftigten betrifft. „Wir möchten uns am Aktionstag mit Personalverantwortlichen und Führungskräften darüber austauschen, welche Veränderungen durch Digitalisierung in ihrem Unternehmen bereits stattfinden oder erwartet werden und wie sie ihre Mitarbeiter/-innen in auf diesen Prozess vorbereiten“, führte Susanne Sabisch-Schellhas, Leiterin des Demographie Netzwerkes Hamburg in die Veranstaltung ein. Von den Teilnehmenden meinte mehr als ein Drittel, der digitale Wandel wirke sich in ihrem Unternehmen zunehmend aus, jeweils ein Viertel beurteilte die Auswirkungen jeweils als stark und sehr stark und nur ein Zehntel war indifferent.

In seinem Impulsvortrag stellte Steffen Müller die Einführung einer App-basierten Kollaborationsplattform im Unternehmensbereich Entwicklungsvorhaben der Hamburg Port Authority vor. Dabei ging er darauf ein, wie sich die Strukturen im Unternehmen verändert haben und wie die Mitarbeiter/-innen mit auf den Weg genommen wurden. Der zweite Vortrag ging besonders auf die Gestaltung neuer Arbeitswelten ein und welche Auswirkungen für den einzelnen damit verbunden sind. Viola Kerssenfischer erlebt bei ThoughtWorks bereits verschiedene Formen der digitalen Kollaboration wie Tech Labs, intelligente Meeting-Systeme, globale Talent Pools, globale digitale Communities und remote work (ortsunabhängiges Arbeiten). Das international agierende IT-Unternehmen entwickelt und verbreitet Software-Lösungen und sieht im technologischen Fortschritt eine Triebfeder für positive gesellschaftliche Veränderungen. Diese Vision verbindet die Mitarbeiter/-innen und stärkt das Commitment mit dem Unternehmen. Positiv erlebt Kerssenfischer ein verändertes Wertesystem mit dem Abbau von Hierarchien, mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit, einer offenen Fehlerkultur, der Weitergabe von Wissen und einer aktivierenden Lernkultur.

Nach den Impulsbeiträgen fand in vier Gesprächskreisen ein reger Austausch statt. Die Teilnehmer/-innen hoben die positiven Aspekte der Digitalisierung, die auch von den Impulsgebern/-innen schon aufgezeigt wurden, noch einmal hervor: Durch Digitalisierung wird die Produktion effektiver, stupide Tätigkeiten entfallen, die Prozesse werden schneller und effizienter, Wissen ist überall für alle verfügbar, vernetzte Systeme koordinieren Abläufe und verhindern Reibungsverluste, Transparenz und Kundenorientierung nehmen zu. Doch von den Mitarbeitern/-innen wird auch eine andere Haltung gefordert. Digitalisierung impliziert ständigen Wandel, die Bereitschaft zu lebensbegleitendem Lernen, zum Abbau von Schranken (Alter, Geschlecht, Hierarchien, Nationalitäten, Religionszugehörigkeit etc.), zum Teilen von Wissen, zur Flexibilität (von Zeit und Ort). Beim letzten Punkt knüpften einige Befürchtungen der Teilnehmer/-innen an: Immer und überall verfügbar sein – schadet das nicht der Gesundheit? Ständige Change Prozesse – können wir da alle mitnehmen, besonders die Älteren? Sichert die Gesetzgebung die neuen Arbeitsformen ab? Wie kann die Informationsflut gelenkt, wie das richtige Tool ausgewählt werden? Trotz aller Kritik, sahen die Teilnehmer/-innen in der Digitalisierung eher eine Chance zur Wahrnehmung individueller Interessen und Entwicklungschancen bei den Beschäftigten. Entscheidend wird sein, wie wir die Arbeitsbedingungen mitarbeiterorientiert gestalten und wie wir es schaffen, alle auf dem Wege mitzunehmen.

Die Diskussion mit den Studierenden des Master-Programms Psychologie aus dem Kurs „Arbeits- und Organisationspsychologie“ der Jacobs University Bremen zeigte, dass die Einstellung junger Menschen zur Digitalisierung genauso variieren kann wie bei den Älteren. Sicherlich sind sie im Umgang mit digitalen Medien aufgewachsen, aber die Affinität zur Technik ist dennoch unterschiedlich stark ausgeprägt. Neben dem Vorteil, die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben flexibler handhaben zu können, sahen sie auch die Gefahr mangelnder Abgrenzung. „Wie wir den digitalen Wandel erleben, ist vor allem eine Frage der inneren Haltung“, fasste ein Teilnehmer zusammen, „und das gilt für Jung wie für Alt“.

 

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