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Digitalisierung – Neue Chancen für eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung?

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Digitalisierung - Neue Chancen für eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung?

Ein Interview mit Aktionstags-Referent Dr. Andreas Hinz

Wie verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt? Was muss getan werden, um Beschäftigte jeden Alters zu integrieren? Darüber referierte RKW-Projektleiter Dr. Andreas Hinz beim ddn-Aktionstag in Erfurt. Sein Vortragstitel: Industrie 4.0 mit alternden Belegschaften - Herausforderungen kompetenzförderlicher Arbeitsgestaltung. Einige seiner zentralen Erkenntnisse erläuterte er ddn-Kommunikationsmanager Pascal Frai im Interview.

Herr Hinz, die Entwicklung zur Arbeitswelt 4.0 wird nicht von allen Beschäftigten begrüßt. Manche fürchten, nicht Schritt halten zu können. Wie berechtigt sind diese Sorgen bei älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern?  

Hinz: Ältere sind ebenso wie jüngere Beschäftigte grundsätzlich dazu in der Lage, mit technischen Neuerungen Schritt zu halten. Vielfältige wissenschaftliche Befunde zeigen, dass Ältere beruflich genauso leistungsfähig sind wie Jüngere. Dies gilt etwa für Planungs- und Problemlöseleistungen und Innovationsfähigkeit. Ebenso können auch ältere Beschäftigte noch lernen. Bei älteren Beschäftigten geht typischerweise zwar die Geschwindigkeit bei der Verarbeitung von Informationen zurück, dafür gewinnen sie aber häufig an Erfahrungswissen. Ihre Urteilsfähigkeit ist gut ausgeprägt, so dass sie schnell und präzise richtige Entscheidungen treffen können. Dies sind wichtige "Tugenden" in betrieblichen Modernisierungsprozessen.

Was können Betriebe tun, um Arbeitsplätze kompetenzfördernd zu gestalten und alle Beschäftigtengruppen erfolgreich in die neue Arbeitswelt "mitzunehmen"?  

Hinz: Die Umsetzung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse einer menschengerechten Arbeitsgestaltung leistet einen wichtigen Beitrag zu kompetenzförderlicher Arbeit. Dies beinhaltet geistig anregende Tätigkeiten, die eine "Lernentwöhnung" der Beschäftigten im Arbeitsleben verhindern. Ebenfalls zu nennen sind Handlungs- und Entscheidungsspielräume, die es den Beschäftigten ermöglichen, ihre Erfahrungen bei der alltäglichen Arbeit einzubringen und ihr Arbeitsvorgehen selbstbestimmt zu optimieren. Zu vermeiden ist demgegenüber neben einer geistigen Unterforderung durch monotone Tätigkeiten (z.B. Bandarbeit mit kurzen Zeittakten) auch eine Überforderung der Beschäftigtengruppen. Nicht nur aber besonders für ältere Beschäftigte gilt: Sie können zwar komplexe Aufgaben erfüllen, dies sollte aber nicht unter den Bedingungen von Zeitdruck und Multitasking (viele Aufgaben gleichzeitig) geschehen.

Stellen die neuen Technologien aus Ihrer Sicht auch eine Chance dar, Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten? Was sind dafür die vielversprechendsten Ansatzpunkte?  

Hinz: Digitalisierung bietet Chancen für eine alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung. So können viele stark belastende und gesundheitlich gefährdende Tätigkeiten automatisiert und auf Maschinen übertragen werden. Beispiele sind schweres Heben und Tragen bei Transportaufgaben, ungünstige Körperhaltungen bei Montagen sowie auch monotone Tätigkeiten, wie Werkstücke entnehmen. Auch gibt es die Chance, Arbeitsplätze besser und leichter als bisher an die Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen, z.B. durch eine automatische Einstellung der Maschine auf die Körpermaße und Qualifikationsprofile der einzelnen Beschäftigten. Gut aufgebaute Informationssysteme können auch das Gedächtnis entlasten bzw. unterstützen. Es gibt aber auch Risiken, die allerdings  weniger in der Technologie selbst als in einer Kultur der "Beschleunigung"  liegen. Zu nennen sind der Druck, ständig für die Arbeit verfügbar zu sein, oder eine überfordernde "Informationsflut".

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