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Die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0

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Die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0

Ein Roboterarm mit Rollköpfen fixiert selbstständig Dichtungen an einer Autotür, unmittelbar daneben führt gleichzeitig ein menschlicher Mitarbeiter andere Montagetätigkeiten aus – der Roboter arbeitet nicht mehr allein hinter einer Sicherheitsabsperrung, sondern Hand in Hand mit dem Menschen. Dies ist kein Zukunftsszenario, sondern an Montagestraßen des Autoherstellers BMW bereits Realität. Der Roboter nimmt dem Menschen nicht nur schwere körperliche Arbeit ab, er kann noch vielmehr: Mit speziellen Sensoren überwacht er beispielsweise bereits während des Arbeitsprozesses die Verarbeitungsqualität der Dichtungen.

Das ist ein Aspekt der vierten industriellen Revolution – nach Mechanisierung, Elektrifizierung und der Einführung der Computer erleben wir derzeit die Digitalisierung und zunehmende Vernetzung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen. In der sogenannten Industrie 4.0 werden durch den Einsatz modernster Informations- und Kommunikationstechnologie sowie intelligenter Software-Betriebssysteme Maschinen zunehmend in der Lage sein, sich selbst und sogar ganze Unternehmensprozesse autonom zu steuern, beispielsweise Mängel und Fehler zu erkennen, den Materialausschuss zu Minimieren und Verbrauchsmaterial bei Bedarf nachzubestellen.

Radikaler und tiefgreifender Wandel der Arbeitswelt

Die Digitalisierung und Vernetzung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen wird die Arbeitswelt radikaler und tiefgreifender verändern als die Einführung von Smartphones und mobilem Internet unseren Alltag. Softwarebasierte intelligente Assistenzsysteme werden Menschen dabei unterstützen, ergonomisch optimal zu arbeiten und bessere Entscheidungen zu treffen. Industrie 4.0 wird es ermöglichen, Arbeitsabläufe effizienter, flexibler und kostengünstiger zu gestalten, sowie Informations-, Kommunikations- und Transaktionsprozesse innerhalb von Unternehmen, mit Zulieferern, anderen Geschäftspartnern und Kunden zu vereinfachen, zu beschleunigen und zu verbessern. Insgesamt bieten die neuen Technologien damit ein ungeheures Potenzial zur Kostenreduktion und für Produktivitätssteigerungen.

„Die Arbeitsproduktivität wird dramatisch steigen. Roboter und künstliche Intelligenz werden unsere Fabriken steuern. Unsere Volkswirtschaft wird dann mit viel weniger Arbeitskräften auskommen, die aber extrem gut ausgebildet sind“, sagt MIT-Forscher Andrew McAfee voraus. Nicht nur in den Werkshallen steigt der Rationalisierungsdruck, auch Tätigkeiten in der Verwaltung und im Dienstleistungssektor sind betroffen. Schon heute hat die Digitalisierung Arbeitsbereiche erreicht, von denen man glaubte, sie könnten niemals von Software-Programmen übernommen werden. Solche Programme handeln an der Börse, erstellen Therapievorschläge und juristische Gutachten oder schreiben Projektberichte.

Bedarf an hoch und höchstqualifiziertem Personal steigt

Die Digitalisierung verändert ganze Berufsbilder oder macht sie sogar komplett überflüssig. Experten prognostizieren, dass durch Industrie 4.0 etwa die Hälfte der Berufe, die wir heute kennen verschwinden wird. Wie viele Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen werden, ist indes umstritten. Prognosen reichen von 60.000 über fünf Millionen bis hin zu 18 Millionen. Einig sind sich die Experten jedoch darin, dass neben gering qualifizierten Arbeitnehmern auch Fach- und Wissensarbeitern, die heute mit Routinearbeiten beschäftigt sind, der Arbeitsplatzverlust droht.

Das Thema Fachkräftemangel verliert durch die vierte industrielle Revolution jedoch keineswegs an Brisanz. Im Gegenteil, durch die Digitalisierung wird in vielen Bereichen der Bedarf an hoch und höchstqualifiziertem Personal steigen – bei gleichzeitiger Verringerung des Arbeitskräfteangebots in Folge des demografischen Wandels. Eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC und des Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstituts Wifor kommt zu dem Ergebnis, dass der digitale Wandel und die damit verbundene Produktivitätssteigerung nicht ausreichen werden, um die durch die demografische Entwicklung entstehende Lücke zwischen Arbeitskräftenachfrage und -angebot zu schließen. So könnten im Jahr 2030 von potentiell vier Millionen fehlenden Arbeitskräften durch die Digitalisierung nur etwa die Hälfte kompensiert werden.

Arbeitswelt 4.0 – mehr als nur technologische Innovationen

Der Wettbewerb um Facharbeiter und Spezialisten wird sich damit in der Arbeitswelt 4.0 weiter verschärfen, die Attraktivität von Arbeitgebern eine noch größere Bedeutung gewinnen. Auch vor dem Hintergrund, dass sich die Vorstellungen von Arbeit zunehmend verändern, insbesondere in der Generation der 20- bis 30-Jährigen. „Als Trend ist festzustellen, dass diese Generation der 20 bis 30-Jährigen die Gleichwertigkeit von Berufs- und Privatleben fordert, Partizipation in der Arbeitsorganisation erwartet und großen Wert auf eine teamorientierte Unternehmenskultur legt”, so der ddn Vorstandsvorsitzende Rudolf Kast.

Die Arbeitswelt 4.0 wird demnach nicht nur durch Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung bestimmt, sondern auch durch einen gesellschaftlichen Wertewandel, der gekennzeichnet ist durch das Bedürfnis nach größerer Freiheit und mehr Möglichkeiten bei der individuellen Lebens- und Arbeitsgestaltung sowie dem Wunsch nach stärkerer Partizipation und Sinnhaftigkeit von Arbeit. Bei der Erfüllung dieser Bedürfnisse und Wünsche wiederum können auch digitale Technologien einen nicht unbedeutenden Beitrag leisten. Insofern bietet die Digitalisierung auch vielfältige Chancen, die Arbeit menschengerechter zu machen. Dazu müssen den technologischen auch mitarbeiterorientierte Innovationen folgen.

Lebenslanges Lernen wird unabdingbar

Unternehmen, Führungskräfte und Arbeitnehmer sind dabei gleichermaßen gefordert, neue, noch unbekannte Wege zu betreten. Für alle Beteiligten gilt: Flexibilität, Offenheit, eine hohe Problemlösungskompetenz und lebenslanges Lernen wird zur unabdingbaren Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe an der Arbeits- und Wirtschaftswelt der Zukunft.

Fazit: Industrie 4.0 wird unsere Arbeitswelt radikal und tiefgreifend verändern – offen ist nur noch wie schnell und wie radikal. Es liegt an den Beteiligten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, diesen Wandel aktiv mitzugestalten und zwar nicht nur in technologischer Hinsicht, sondern auch in sozialer.

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